Hui Buh Quack Wuff

Am vergangenen Montag wurde es unheimlich.

Damit meine Arschhaare nicht mit dem Schreibtischstuhl fusionieren, bewege ich meinen Hintern nebst Anhang mehrmals die Woche durch die örtliche Botanik. Nichts zu Anstrengendes doch schon mit genug Tempo, dass ich mein Wochenziel auf Google Fit am Donnerstag bereits erfülle (was am Wochenziel liegen könnte). Dabei geht’s in den nahegelegenen Park, dem sich ein Wald anschließt. Die Strecke ist kein Geheimtipp und wird gerade am Wochenende vermehrt frequentiert. Um die Mittagszeit kommt man wochentags aber gut durch ohne zwischen einem Überangebot an Radlern, Joggern, Rentnern oder Gassigängern groß Slalom laufen zu müssen.

Übers Spaziergehen haben bewandertere Genossen als meinereiner schon genug Worte verloren. Mir gefällt der kontemplative Charakter, wobei der stets präsente MP3-Player nicht zu kurz kommt. Neben Musik – eine Auswahl gibt es auf DailyBeat.de (seit einiger Zeit aufs eisige Abstellgleis gestellt)-  lasse ich mich von Podcasts berieseln. Im Gegensatz zur Housemusik, die chaotische Gedankengänge zulässt, wird primär Marc Marons WTF, sowie The Program (futuristisch Fiktives) gelauscht. Früher waren da noch im Mix: This Week in Tech (die letzten Jahre zu Trump-lastig), Darknet Diaries (nach der x-ten Penetration Tester-Folge schwand das Interesse rapide) sowie Last Podcast on the Left (jetzt nur noch auf Spotify; aber Archive.org hat netterweise knapp 333 downloadbare Altfolgen, wie ich gerade feststellte).

Diese Woche gab es “The Case of Charles Dexter Ward“, welches in einem Reddit-Thread zu The Program empfohlen wurde. Der/Die/Das BBC brachte im vergangenen Jahr eine zehnteilige Aufarbeitung des H.P. Lovecraft Textes im zeitgenössischen Gewand. Zwei Podcaster übernehmen die Rolle des Doktors aus dem Original und untersuchen Charles Dexter Wards Verschwinden. Vergleichbar mit den fake Dokumentar-Horrorfilmen, die vor Jahren in Mode und nach dem Motto gestrickt waren: “Möchtegern-Geisterjäger mit viel zu viel Equipment treffen in Geisterhaus auf Geister oder so”.

Die Podcast-Reihe ist überaus hörbar und empfehlenswert. Es gibt ein, zwei Jumpscares, die für Lovecraft’sche Werke zwingend erforderlichen Soundbites, die versuchen mit vollem Mund und einer leichten Erkältung die Namen der Alten Götter zu artikulieren, und der zweigeteilte Ermittlungs-Erzählstrang verbindet sich zu einem runden Ganzen mit zufriedenstellendem Finish (und einer – noch unerlauschten – Fortsetzung!!).

Das Unheimliche kam an diesem Montag aber weniger aus den Ohrstöpseln, wobei es dort mit einem Besuch aus dem uncanny valley begann.

Ich hatte es die vorigen Male gar nicht wahrgenommen, aber zwischen den Episoden drangen deutsche Worte an mein Ohr. Werbung für ein amerikanisches Unternehmen, das in Telekonferenzen tätig ist und in Zeiten des großen C auf die selbsterklärenden Vorteile von Remote-Meetings aufmerksam machte. Nun ist es weniger überraschend, dass der/die/das BBC weiß, aus welchem Land die Person kommt (ein kurzer IP Lookup, eventuell wird die Browsersprache verwendet), die sich die Podcasts runterlädt (es ist eher zu begrüßen, dass diese nicht Länderspezifisch geblockt sind). Faszinierend ist der Aufwand, der betrieben wird. Es scheint rentabel genug zu sein aktuelle, lokalisierte Werbung parat zu halten, um diese bei Bedarf und on the fly an korrekter Stelle in die MP3-Datei zu klatschen. Das hat Applaus verdient!

In derart technischen Gedanken verloren, lief ich schnurstracks in eine Prozession Enten beim Mittagstisch. Aus den vergangenen Spaziergängen wusste ich, dass die aktuell in der Aufzucht sind, so dass die Eltern alle Flügel voll zu tun haben und mit ihnen nicht zu spaßen ist. Sie konnten aufgrund des bisherigen Menschenkontaktes noch so vertraut mit uns Zehnzehern sein, wenn die Brut auf dem Spiel steht, wird der Erpel zum Gorilla.

Statt also hechelnd und mit den Armen wedelnd – mein üblicher Laufstil – ging es im kleinschrittigen Gänsemarsch und den Augen geradeaus durchs hitchcockisch, hissende Minenfeld.

Symbolbild desselben Clans; an umschiffbarerer Stelle, nach der Sättigung und mit gebührendem Abstand auf dem Rückweg entstanden

Doch damit nicht genug. Der Titel verrät es bereits, nach den Enten kam der Hund und das kam so:

Wie das Bild zeigt, regnete es. Der Himmel war bereits zu Beginn meines Ganges verhangen, trotzdem wagte ich es. Das klappte am Samstag, als die Sonne die Asse im Ärmel hatte, noch hervorragend. Am Montag hingegen hielten die Regenwolken die Trümpfe in der Hand. Ich war keine 30 Minuten unterwegs als sie die königliche Klospülung betätigten. Zu dem Zeitpunkt war ich im bewaldeteren Teil der Strecke, doch das Blätterdach bot nur begrenzt Schutz.

Vor die Wahl gestellt den Kopf hängen zu lassen und den Rückweg anzutreten oder die zusätzliche Stunde im Regen in Kauf zu nehmen, plädierte der Podcast für den Mittelweg. Ich hatte noch anderhalb Episoden zu lauschen, was ca. 45 Minuten wären. Bei einer direkten Rückkehr verblieb eine Viertelstunde, die so klein sie auch scheint, nur schwerlich in meine Tagesplanung passte. Die Zeit in klammen Klamotten auf der Couch abzusitzen, klang weniger famos. Mit dem großen Finale vor den Ohren entschied ich mich also dafür statt dem üblichen großen Bogen einen Zickzackkurs im Wald zu absolvieren, in der Hoffnung, dass die Bäume und später die Sonne ein Einsehen mit mir hätten.

Feucht und weniger fröhlich, weil beföhnt, ging es durch den dunklen Wald. Einer der beiden Podcaster hatte gerade Trouble vor einer Irrenanstalt als ich Hundegebell vernahm. Das passte irgendwie zum Plot. Da gab es bereits einen Schläger, der den Protagonisten aufmischte, wieso nicht noch einen Vierbeiner hinzuziehen? Zumal bei dem Wetter die Zahl realer Hunde in der Gegend gering sein dürfte. Ich kam zuvor an zwei beschirmten Gassigängern vorbei, aber bei meinem Tempo und der Tatsache, dass der angeleinte Hund mir vertikal nur bis zum Knie reichte, konnten diese ausgeschlossen werden.

Es dauerte zwei, drei Beller, die zudem lauter wurden, bevor ich auf die Idee kam, mich eines Ohrstöpsels zu entledigen und mal umzuschauen. Siehe da, ein Hund, keinen Ausfallschritt von mir entfernt und im vollen Alarmmodus. Einer der mir zudem auf allen Vieren an die Oberschenkel reichte, so dass ich mir um meine entblössten Unterschenkel Sorgen machte. Er war weniger überrascht mich zu sehen, ihm war es auch egal jetzt meine Aufmerksamkeit zu haben und er bellte noch zweimal, bevor wir uns zeitgleich nach einem Herrchen umschauten. Dieser kam gerade erst um eine Ecke und war etliche Ausfallschritte entfernt. Zwischen diversen Rufen nach dem Hund vernahm ich ein zu entspanntes “Entschuldigung” in meine Richtung bevor der Köter zögernd aber entgegengesetzt davontrottete.

Ich hätte ihm folgen können, hätte dem Arsch meine Meinung geigen können, etc pp, doch ich wollte einfach nur weiter den Podcast hören. Also hob ich kopfschüttelnd die Arme im “WTF”-Stil, schob mir den Stöpsel wieder ins Ohr, spulte zurück und ging nach Hause.

 

Bonusbild: Überragender Grund sich einen anderen Mülleimer zu suchen